Translation Clinic doctor patient communication in GermanyGesundheitsfragen sind in Deutschland als Gesprächsthema ungefähr so alltäglich wie das Plaudern über Wetter oder Fußball. Die harmlose Frage „Wie geht’s?“, kann eine ausführliche Schilderung der körperlichen Befindlichkeit auslösen.

Im Klinikalltag oder im Sprechzimmer des niedergelassenen Arztes spielt die „sprechende Medizin“ eine große Rolle und wird im Medizinstudium derzeit im Pflichtcurriculum verankert. Von Ärzten und Ärztinnen aus anderen Ländern wird gefordert, dass sie sich „mit Patienten mühelos verständigen, Anamnesen erheben und über Vor- und Nachteile von Behandlungen und Behandlungsalternativen aufklären können“ (Quelle: Ärzteblatt, 27.6.2014).

Formaler Spracherwerb

Mediziner aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland müssen ausreichende Sprachkenntnisse erwerben, bevor sie in Deutschland als Arzt tätig werden dürfen, also ihre Approbation erhalten. Der erste Schritt ist der Nachweis von mündlichen und schriftlichen Sprachkenntnissen auf Kompetenzstufe B2 bzw. C1 des Europäischen Referenzrahmens.

Hinzu kommen diverse fachliche Voraussetzungen. Bis diese erfüllt sind, kann ein Arzt zunächst mehrere Monate als „Praktikant“ im Klinikalltag mitarbeiten und dabei seine Sprachkenntnisse erweitern, um die anschließende „Patientenkommunikationsprüfung“ zu bestehen.

Von zentraler Bedeutung für die Arzt-Patienten-Kommunikation ist die Kenntnis der deutschen Ausdrücke, weil der Arzt die medizinische Fachsprache für den Patienten in normales Deutsch übersetzen muss:

  • Körperteile (z.B. Ringfinger, großer Zeh, Leiste),
  • Organe (z.B. Mandeln, Schilddrüse, Blinddarm, Bauchspeicheldrüse),
  • Knochen (z.B. Schulterblatt, Schlüsselbein),
  • medizinische Geräte (z.B. Spritze, Beatmungsgerät),
  • Substanzen (Sauerstoff, Blutzucker),
  • Krankheiten (Kinderlähmung, Keuchhusten, Röteln, Schlaganfall, Leistenbruch, Bänderriss).

Manche englischen Ausdrücke haben Eingang in die Umgangssprache gefunden (Bypass, Stent). In vielen Fällen jedoch werden deutsche Ausdrücke verwendet (Herzschrittmacher). Die englische Übersetzung „pacemaker“ wird in der Regel nicht verstanden.

Patientengespräche

Am Anfang des Gesprächs sollte das aufmerksame Zuhören stehen, das insbesondere durch offene W-Fragen erreicht wird. Die Frage „Wie geht es Ihnen?“, eignet sich besonders für wiederkehrende Patienten. „Wie geht es Ihnen heute?“, ist ein passender Einstieg bei der Visite in der Klinik, wo der Krankheits- oder Genesungsverlauf im Vordergrund steht.

Fragen wie:

  • Was führt Sie zu mir?
  • Was kann ich für Sie tun?

eröffnen das Gespräch, wenn ein Patient den Arzt erstmals aufsucht. Für die Erhebung der Anamnese sind Hörverständnis und Fragen von großer Bedeutung, für die körperliche Untersuchung muss man korrekte Anweisungen geben und bestimmte Abläufe erklären können. Anschließend müssen Diagnose und Therapieoptionen verständlich erklärt werden.

Bildungsgrad, Dialekt, Migration

Das sprachliche Niveau der Patienten ist je nach Bildungsgrad sehr unterschiedlich. Zehn Prozent der Beschäftigten in Deutschland arbeiten im Gesundheitssektor, haben also zumindest gewisse medizinische Grundkenntnisse.

Insbesondere in Mittel- und Süddeutschland wird nach wie vor viel Dialekt gesprochen, der wenige Kilometer weiter eine ganz neue Sprachmelodie annehmen kann. Einen guten Überblick samt Hörbeispielen verschafft beispielsweise der Dialektatlas der Deutschen Welle: http://www.dw.de/deutsch-lernen/dialektatlas/s-8150

25 % der Einwohner in Deutschland sind aus anderen Ländern eingewandert oder stammen von Einwanderern ab. Die deutschen Sprachkenntnisse sind hier individuell sehr unterschiedlich. Kliniken fragen bei ihren Mitarbeitern bewusst weitere Sprachkenntnisse ab, um in solchen Fällen die Kommunikation zu erleichtern.

Weiterlesen:

Dr. Ralph Jäger: Gelungene Patientenkommunikation: Der mündige Patient in der modernen Praxis. Update des Blogbeitrags: Souverän schwierige Patientengespräche führen. (2013).

Deutsch für ausländische Ärztinnen und Ärzte. IMED-KOMM-EU. EU-Portal mit ausführlichem Sprachkursmaterial wie Beispielsätzen, auch zum Anhören und Nachsprechen, Übungen zu Fachsprache und Umgangssprache, Glossaren, Selbsttests und vielem mehr.

Die entsprechenden Videos finden sich hier:

http://www.imed-komm.eu/youtube-videos-5

Wichtige Infos für ausländische Ärzte. Deutsch für Ärzte, Online-Sprachkurse für Ärzte und Pflegekräfte; gewerblicher Anbieter; hilfreiche Links am Ende des Artikels.

http://www.deutsch-fuer-aerzte.de/infos-fuer-auslaendische-aerzte/#.VGMnqPmG9yw 

Sprachliche Kompetenz und Sicherheit im Berufsalltag! Deutsch-Zertifikate für medizinische Fachkräfte. telc gGmbH: Prüfungsablauf des Deutsch-Zertifikats und hilfreiche Prüfungsmaterialien zur Vorbereitung.

http://web.telc.net/medizin-pflege/

FAQ für ausländische Ärzte auf Deutsch und Englisch, Marburger Bund, dem Interessenverband der angestellten und beamteteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands.

http://www.marburger-bund.de/projekte/auslaendische-aerzte-foreign-physicians/deutsch

Einheitliche Sprachtests für ausländische Ärzte beschlossen. Meldung des Deutschen Ärzteblatts vom 27. Juni 2014.

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59190/Einheitliche-Sprachtests-fuer-auslaendische-Aerzte-beschlossen

Ulrike Schrimpf und Markus Bahnemann: Deutsch für Ärztinnen und Ärzte. Kommunikationstraining für Klinik und Praxis. 2. korrigierte und aktualisierte Auflage. Mit Audio-CD. Springer Verlag, Berlin Heidelberg, 2012.

http://www.springer.com/medicine/book/978-3-642-24923-5?wt_mc=PPC.Google%20AdWords.3.EPR653.GoogleShopping_Product_DE

Von Imke Brodersen, Übersetzerin (English und Spanisch nach Deutsch) in den Bereichen Medizin, Urkunden und Literatur. Mich interessiert, was Sie über diesen Artikel denken. Hinterlassen Sie einen Kommentar oder lassen Sie uns auf Twitter diskutieren.

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